Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4, 16

Ach! So schön kann wohl nur Johannes von der Liebe schreiben. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. So ein wunderbares Ineinander von Gott und Mensch und Liebe. Da lässt sich nichts trennen, da gehört alles zusammen, da hat alles seinen Platz. Und natürlich ist auch klar: Die Liebe von, mit und zu Gott ist untrennbar mit der Liebe von uns Menschen zueinander verwoben. Da hat Hass, Neid und Missgunst einfach keinen Platz. Und weil Gott in mir ist, wird er in mir selbst dafür sorgen, dass die Liebe, die ich von ihm bekomme, an andere Menschen weiterfließen kann.

„Gott in mir“ … ein wunderschönes Bild. Manchmal hat es Gott in mir wohl ganz gut. Da harmonieren wir. Ich erlebe seine Kraft und er spürt meine Dankbarkeit. Aber ich vermute, manchmal überlegt er sich, wieder auszuziehen, wenn ich schimpfe, weil mir die Ignoranz und Boshaftigkeit mancher Menschen so auf die Nerven gehen, dass ich keine freundlichen Worte mehr finde. Ich glaube, da fühlt sich Gott in meiner Haut nicht mehr so wohl. Und wenn ich selbstgerecht feststelle, dass ich mit dem Einen oder Anderen nichts anfangen kann oder will. Ich glaube, dann ist dieser Gott in mir drauf und dran, seine Sachen zu packen und zu gehen. Eben weil er es mit mir unter einem Dach nicht mehr aushält. Denn die Liebe, die ER IST, passt nicht mit dem zusammen, was ICH da eben LEBE.

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? (1Joh 4,20) Da höre ich Gottes Vorwurf an mich heraus: Frau, du bist lediglich eine Theoretikerin der Liebe. Schön erzählen kannst du schon von der Liebe …Von der Liebe Gottes wunderbare Zeilen formulieren … von der Liebe eines Gottes, den du nicht siehst, der auch nicht unbequem im Weg rumsteht.

Wir brauchen Mut zur Liebe; Mut, Liebe zu leben und Liebe zu verschenken. An die, die unsere Zuwendung verdienen und auch an die, die es nicht verdient haben. Ohne all diese Ängste, die uns bremsen, behindern und verkrampfen. Wenn die Liebe Gottes in mir die treibende Kraft ist, dann soll ich Liebe weitergeben. Dann soll das, was ich tue, von dieser Liebe getragen und eingefärbt sein. Mit dieser Grundfärbung meines Lebens kann ich dann Mutter, Vater, Büroangestellte oder Handwerker sein. Das, was ich tue, werde ich dann eben ein kleines bisschen anders tun, als wenn unser Gott mich nicht zur Liebe angestiftet hätte. Nächstenliebe ist dann nicht eine bestimmte Tätigkeit. Nächstenliebe ist dann die Art und Weise, wie ich mein Leben führe, meinen Beruf ausübe und andere Dinge tue. Wenn ich mich über Menschen ärgere, und Probleme mit ihnen habe, dann ist es nicht leicht, „liebevoll“ zu streiten. Denn Nächstenliebe bedeutet ja nicht, dass man sich nicht auseinandersetzt.

Aber es ist die Frage, was ich mit dem Anderen will. Will ich ihn besiegen, klein kriegen, die Oberhand behalten? Oder will ich ihn gewinnen, ihm Alternativen aufzeigen, ihm letztlich zu etwas Gutem verhelfen? Dass das nicht leicht ist, liegt auf der Hand. Mit einem egoistischen Menschen im Streit zu liegen und dabei die Liebe nicht zu vergessen, das ist ein großes Kunststück. Da ist es fast schon vorprogrammiert, dass man dabei auch mal seine guten Vorsätze vergisst.

Als Kinder Gottes haben wir ein großes Privileg: Wir sollen und können Gott und den Nächsten von Herzen zu lieben. Das sollen wir tun, als wenn es nichts Wichtigeres gäbe. Aber gemessen wird unser Leben später einmal nicht daran, wie wunderbar wir das geschafft haben, sondern allein daran, dass wir diesen Weg im Gehorsam und Vertrauen auf Jesus Christus gegangen sind.

Euch allen eine gesegnete Sommerzeit!

Gabriele Kramp