Geht hin und verkündigt: Das Himmelreich ist nahe. Matthäus, 10,7

Was ist das Himmelreich oder das Reich Gottes eigentlich? Das griechische Wort basileia bezeichnet nicht in erster Linie ein Reich oder ein Territorium, sondern die Königsherrschaft Gottes. Reich Gottes ist, wo Gottes Herrschaft ausgeübt wird und sein Wille geschieht. Das Reich Gottes ist ein absolut zentrales Thema der Bibel. Und auch im Leben Jesu war die Verkündigung des Reiches Gottes ganz zentral. Die Juden warteten schon lange darauf, dass die Herrschaft Gottes sichtbar wird und sich durchsetzt. In Jesaja 9,5 wird Gottes endgültige Friedensreich erwartet, in dem Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit herrschen. Dort werden Leid, Unheil und Tod überwunden und alle Verderbens-mächte entmachtet sein. Und vor allem werden die Widerstände der Menschen gegen Gott nicht mehr sein. Gott wird König sein.

Jesus erzählte viele Gleichnisse, die dieses Reich veranschaulichen. Und auch die Taten von Jesus, seine Wunder, sind Zeichen für die anbrechende Gottesherrschaft: Blinde sehen, Gelähmte gehen und Aussätzige werden gesund.

Schon gleich zu Beginn seines öffentlichen Auftretens nimmt Jesus die Botschaft von Johannes der Täufer auf und ruft den Menschen zu: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Mt. 4,17) Wer also nicht überrumpelt werden will, muss sich für Gottes Reich bereit machen, muss Buße tun und sein altes Leben hinter sich lassen, um offen und bereit zu sein für das Neue, das Gott geschehen lässt.

Jesus knüpft die Nähe des Reiches unmittelbar an seine Person. Warum kann er das? Weil die Botschaft vom Reich Gottes zusammenhängt mit seinem Tod am Kreuz. Denn erst dieser stellvertre- tende Tod macht es möglich, dass Sünder zum Reich Gottes Zugang erlangen. Wir, auf uns gestellt, hätten den Preis für die Eintrittskarte nämlich nie aufgebracht. Wir würden beschämt vor verschlossenen Türen stehen, weil wir die Rechnungen nicht begleichen können, die wir bei Gott offen haben. Aber Jesus hat sterbend unsere Schuld gesühnt und hat uns damit durch Tod und Auferstehung hindurch den Weg gebahnt in das Reich Gottes hinein. Ob einer Zugang findet zu Gottes Reich, das entscheidet sich nicht mehr an seinem Verhältnis zu religiösen Riten und Vorschriften, sondern es entscheidet sich an seinem Verhältnis zu Jesus selbst. Denn wer Jesus im Glauben annimmt, der hat in ihm das Reich Gottes. Wer aber Jesus ablehnt, der hat damit zugleich das Reich Gottes abgelehnt und verloren.

Die Botschaft vom Reich Gottes steht in einer Spannung zwischen „schon“ und „noch nicht“. Der entscheidende Anfang ist gemacht. Auch wenn er klein und ohnmächtig erscheinen mag in dieser Welt, Gottes Herrschaft wird sich durchsetzen! Gegenwärtig besteht das geistliche Königreich aus all denen, die Jesu Worte ernst nehmen und durch Glauben in dieses Reich hineingerettet sind. Die endgültige Vollendung aber ist noch nicht da. Zugegeben, nach gut 2000 Jahren ist die Naherwartung des Himmelreiches wohl ziemlich verblasst und durch die Bilder von Terror und Krieg scheint die Hoffnung darauf täglich weiter in die Ferne zu rücken. Dennoch wissen Bibelleser, dass in den zunehmenden Krisen und Katastrophen unserer Welt Gottes Herrschaft täglich näher rückt. Und gerade deshalb sollten wir den Auftrag sehr ernst nehmen, den Jesus seinen Jüngern und auch uns gegeben hat. Den Auftrag, von Gottes Reich und von seinem Wohlwollen für die Menschen und für diese Welt zu erzählen und diese Worte auch mit Taten zu füllen. Lasst uns deshalb unsere ganze Aufmerksamkeit auf das kommende Reich richten, das einst groß und mächtig vor allen Augen sicht- bar werden wird. Jesus sagte nach der Einsetzung des Abendmahls zu seinen Jüngern: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ich’s neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich (Mt 26,29). Das wird ein Moment ungetrübter Freude! Ich freue mich darauf!

Britta Kaiser