Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
Jakobus 1,19

Worte haben Macht. Worte werden mit der Absicht gesprochen, dass sie gehört werden. Worte dienen der Kommunikation und stiften Verbindung. Die ersten Worte werden in der Bibel von Gott gesprochen. Durch sein Wort wurde der Mensch geschaffen und mit Gott in Beziehung gesetzt. Das erste Wort, das Gott zum Menschen spricht, ist ein Gebot (1. Mose 2,16). Und die Antwort auf dieses erste Gebot ist erst mal das Hören. Also sind wir Menschen zuerst auf das Hören angelegt.

Und alles Reden, das aus diesem Hören kommt, stärkt die Gemeinschaft der Menschen mit Gott und untereinander. Ein Reden aber, das nicht aus dem Hören auf Gottes Wort kommt, führt in Verwirrung und Verderben (1. Mose 3,1ff). Es zerstört die ursprüngliche Verbindung mit Gott, in die wir Menschen gestellt sind. Und es zerstört auch die Verbindung der Menschen miteinander.

Menschen generell und auch Christen sind gefährdet, ihre Zunge nicht im Zaum zu halten, zu schnell zu sein mit ihrem Urteil, mit ihren falschen Reden das Wort Gottes zu übertönen, viel zu hören, aber wenig zu tun, also vergeblich zu hören.

Und so sagt Jakobus: Ein jeder sei schnell bereit zuzuhören, zurückhaltend im Reden und erst recht langsam zum Zorn. Wir leben im Zeitalter der Geschwindigkeit. Irgendwie scheint Schnelligkeit einen großen Wert zu haben. Alles, was schneller geht, scheint besser zu sein. Und es scheint, dass wir Menschen darüber die Fähigkeit verlieren, wirklich zu hören. Doch Jakobus sagt, dass wir gerade darin schnell sein sollen.

Im Hören schnell zu werden, dass lässt sich gar nicht so einfach lernen. Die Geschwindigkeit lässt sich ja nicht steigern. Ich glaube, dass sich die Grundhaltung eines Menschen verändern muss. Wer gelernt hat, schnell im Hören zu werden, der hat gelernt, still und aufnahmebereit zu sein und das, was er hört, nicht mit seinen eigenen Worten zu ersticken. Viele Gespräche leiden darunter, dass wir nicht zuhören können.

Und was schon unter uns Menschen gilt, gilt noch viel mehr im Hinblick auf das Reden Gottes. Vielleicht können wir manchmal deshalb so wenig von dem vernehmen, was Gott uns sagen möchte, weil wir noch nicht schnell genug im Hören geworden sind. Dass die Predigt zu ihrem Ziel kommt, ist nicht nur eine Aufgabe des Predigers, sondern noch viel mehr eine Aufgabe des Hörers.

Ich ertappe mich oft dabei, dass ich neugierig bin auf die Neuigkeiten und Nachrichten dieser Welt und folglich auch den Medien manchmal zu viel Aufmerksamkeit und Zeit schenke und dabei das Wort Gottes vernachlässige. Da brauche ich noch Veränderung, weil ich denke, dass der Schlüssel für die Festigkeit meines christlichen Fundamentes in dem großen Stimmengewirr unserer Zeit in meinem Umgang mit dem Wort Gottes liegt. Je mehr ich mich damit beschäftige, es aufnehme und umsetze, desto besser werde ich die Stimme Gottes hören.

In Gesprächen und Diskussionen möchte ich mich an folgende Regel halten: Kurz innehalten, anstatt mich dem ersten Erregungsimpuls hinzugeben. Gelassenheit tut gut. Derjenige, der zuhört, statt die anderen niederzureden, gerät weniger schnell in Rage. Jakobus macht uns nämlich auf die Gefahr von vorschnellem Reden aufmerksam, das nicht aus dem Hören auf das Wort der Wahrheit kommt. Es kann zum Zorn führen und dann als Folge die Gemeinschaft der Menschen untereinander stören und sogar unmöglich macht. Im Zorn tut der Mensch nicht, was vor Gott recht ist.

Und so möchte ich mich darin üben, schnell zu werden, wo wir von uns aus viel zu langsam sind: im Hören, und dort langsam zu werden, wo wir leicht zu schnell sind: im Reden.

Svend Kaiser